Hinweis: AOD9604 ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen. Seine Entwicklung als Mittel gegen Adipositas wurde 2007 eingestellt. Dieser Text dient ausschließlich Informationszwecken und beruht auf veröffentlichten Studien und Bewertungen von Behörden. Produkte von Arion Bios sind ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke bestimmt. Sie sind weder Arzneimittel noch Nahrungsergänzungsmittel und nicht zur Anwendung bei Menschen oder Tieren bestimmt.

AOD9604 gehört zu den wenigen Forschungspeptiden, die ein vollständiges klinisches Programm durchlaufen haben. Zwischen 2001 und 2006 erhielten es in randomisierten Studien fast 900 Menschen. Trotzdem scheiterte das Programm: Die entscheidende Studie zeigte nicht, dass Menschen mit AOD9604 mehr abnahmen als mit Placebo.

In diesem Artikel erklären wir, woher das Peptid stammt, was es bei Tieren zeigte, wie die Studien am Menschen ausgingen und was nach 2007 kam. Am Ende finden Sie den regulatorischen Status und wie man AOD9604 im Analysenzertifikat erkennt.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Was es ist: ein synthetisches Peptid aus 16 Aminosäuren. Es ist ein modifizierter Endabschnitt des menschlichen Wachstumshormons (Aminosäuren 177–191) mit einem zusätzlichen Tyrosin.
  • Herkunft: Es ging aus der Forschung an der Monash University in Melbourne hervor und wurde vom australischen Unternehmen Metabolic Pharmaceuticals entwickelt.
  • Tiere: Es steigerte den Fettabbau und verringerte die Gewichtszunahme, ohne den Blutzucker zu erhöhen oder an den Wachstumshormon-Rezeptor zu binden.
  • Menschen: sechs randomisierte Studien mit 893 Teilnehmern. Die entscheidende Studie OPTIONS zeigte keinen signifikanten Unterschied zu Placebo, und die Entwicklung als Mittel gegen Adipositas endete.
  • Regulierung: nirgends zugelassen; die FDA riet 2024 von der Verwendung in Apotheken ab, im Sport ist es verboten.

Woher AOD9604 stammt

Das menschliche Wachstumshormon (hGH) ist ein Protein aus 191 Aminosäuren. Neben dem Wachstum beeinflusst es auch den Fettstoffwechsel und den Blutzucker. In den 1990er-Jahren untersuchte das Team von Frank Ng an der Monash University, ob sich die Wirkung auf das Fettgewebe von den übrigen Wirkungen des Hormons trennen und einem kleinen Teil des Moleküls zuordnen lässt.

1993 berichtete das Team, dass ein synthetischer Abschnitt des hGH an den Positionen 177–191 bei Ratten die Fettbildung hemmt. Diesen Abschnitt stabilisierten die Forscher dann, indem sie am Anfang der Kette ein Tyrosin anfügten. So entstand ein Peptid aus 16 Aminosäuren mit der Bezeichnung AOD9604. Laut einer Übersichtsarbeit von 2004 entwickelte und patentierte das australische Unternehmen Metabolic Pharmaceuticals es Ende der 1990er-Jahre als mögliches Mittel gegen Adipositas.

Parameter Wert
Sequenz YLRIVQCRSVEGSCGF (Tyr + hGH 177–191)
Länge 16 Aminosäuren
Disulfidbrücke Zwischen der 7. und 14. Aminosäure (Cystein–Cystein)
Summenformel C78H123N23O23S2
Molekulargewicht 1815,1 g/mol
Monoisotopische Masse 1813,86 Da
Kennungen CAS 221231-10-3, PubChem CID 71300630

AOD9604 wird oft mit HGH Fragment 176-191 verwechselt, von dem es sich nur in der ersten Aminosäure unterscheidet. Ausführlich behandeln wir das im Artikel AOD9604 vs Fragment 176-191: der Unterschied erklärt.

Was Tierstudien gezeigt haben

Die meisten Daten zum Mechanismus veröffentlichte um die Jahrtausendwende das Team der Monash University. Drei Arbeiten sind besonders interessant:

  • Adipöse Mäuse, orale Gabe (2000). Adipöse ob/ob-Mäuse erhielten das Peptid 30 Tage lang über den Mund. Ab Tag 16 nahmen sie signifikant weniger zu als die Kontrollgruppe, obwohl sie gleich viel fraßen. In ihrem Fettgewebe beschleunigte sich der Fettabbau, die Fettbildung verlangsamte sich. Dieselbe Wirkung hatte das Peptid im Labor auch auf isoliertes menschliches Fettgewebe. In dieser Arbeit trägt das Peptid die Bezeichnung AOD-9401.
  • Adipöse Ratten (2000). Adipöse Zucker-Ratten nahmen mit AOD9604 in 19 Tagen um mehr als die Hälfte weniger zu als die Kontrolltiere. Anders als das vollständige Wachstumshormon verschlechterte das Peptid die Insulinempfindlichkeit nicht.
  • Vergleich mit Wachstumshormon (2001). Sowohl das Hormon als auch AOD9604 verringerten bei adipösen Mäusen die Gewichtszunahme und steigerten die Fettverbrennung. Anders als das Hormon erhöhte AOD9604 jedoch weder den Blutzucker, noch verringerte es die Insulinausschüttung. Es band nicht an den Wachstumshormon-Rezeptor und regte die Teilung von Zellen mit diesem Rezeptor nicht an.

Eine weitere Studie von 2001 ergab, dass sich bei Mäusen ohne Beta-3-adrenergen Rezeptor die langfristige Wirkung auf das Gewicht nicht zeigte. Der Rezeptor ist an der Wirkung also wahrscheinlich beteiligt, aber nicht ihr direktes Ziel. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hält in ihrer Bewertung von 2024 fest, dass das molekulare Ziel von AOD9604 unbekannt bleibt.

Studien am Menschen: von Hoffnung zu Enttäuschung

Zwischen 2001 und 2006 fanden sechs randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien statt. Die Firma testete darin sowohl die intravenöse als auch die orale Gabe.

Die ersten Studien

Eine Übersichtsarbeit von 2004 beschreibt drei frühe Studien bei Menschen mit Adipositas: eine vierwöchige Studie mit intravenöser Gabe bei 23 Erwachsenen, eine vierwöchige Studie mit oraler Gabe bei 16 Männern und eine einwöchige Studie bei 36 Männern. Nach der Gabe stieg der Blutspiegel freier Fettsäuren, ein Zeichen für Fettabbau. Einen statistisch signifikanten Gewichtsverlust gegenüber Placebo zeigte jedoch keine der Studien.

Die Phase-2-Studie

Eine zwölfwöchige Studie mit 300 Erwachsenen mit Adipositas erschien 2005 nur als Kongress-Abstract. Die Autoren berichteten über eine etwas stärkere Abnahme von Gewicht und Taillenumfang als unter Placebo und über einen ungewöhnlichen Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung: Die niedrigste Dosis wirkte am besten. Die FDA merkte dazu an, dass die Unterschiede zu Placebo gering und ihre praktische Bedeutung unklar waren und die vollständigen Ergebnisse nie veröffentlicht wurden.

Die entscheidende Studie OPTIONS

Die Phase-2b-Studie schloss 536 Erwachsene mit Adipositas ein und dauerte 24 Wochen. Alle Teilnehmer einschließlich der Placebogruppe absolvierten ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm, ähnlich wie in einer Phase-3-Studie. Am 21. Februar 2007 gab die Firma bekannt, dass der Unterschied beim Gewichtsverlust gegenüber Placebo weder nach 12 noch nach 24 Wochen statistische Signifikanz erreichte. Sie beendete die Entwicklung von AOD9604 als Mittel gegen Adipositas.

Sicherheit

Eine Zusammenfassung der Sicherheitsdaten aus allen sechs Studien erschien 2013. Die Nebenwirkungen lagen auf Placebo-Niveau, AOD9604 beeinflusste den Spiegel von IGF-1 (einem Hormon, dessen Bildung das Wachstumshormon steuert) nicht, und bei den Teilnehmern bildeten sich keine Antikörper gegen das Peptid. Die Autoren standen mit der Firma in Verbindung, was sie selbst angeben. Die FDA wies 2024 auf den begrenzten Umfang der veröffentlichten Daten und auf ein mögliches Risiko einer Immunreaktion hin, insbesondere bei injizierbaren Formen.

Was nach 2007 kam

In derselben Mitteilung von 2007 kündigte die Firma an, AOD9604 bei Osteoporose weiter zu erforschen. In der veröffentlichten Literatur findet sich vor allem eine Studie von 2015 an Kaninchen mit künstlich ausgelöster Kniearthrose. Darin verbesserte das ins Gelenk gegebene Peptid den Zustand des Knorpels gegenüber der Kontrollgruppe, und in Kombination mit Hyaluronsäure wirkte es besser als jede der Substanzen allein. Es handelt sich um präklinische Forschung an 32 Tieren.

Inzwischen tauchte AOD9604 im Sport auf. Ein Bericht der australischen Kriminalkommission von 2013 führte es unter den Peptiden auf, die an Sportler geliefert wurden. Unbeschriftete Fläschchen mit AOD9604 wurden bei Spitzensportlern in Deutschland und Belgien gefunden, und in den USA wiesen Labore es in beschlagnahmten Proben nach. Die FDA stellte 2024 zudem fest, dass Angebote im Internet es mit einer Vielzahl von Anwendungen in Verbindung bringen, von Gelenken und Knochen bis zum Altern. Klinische Studien, die diese Anwendungen stützen, gibt es nicht.

Regulierung und Sport

  • Zulassung: AOD9604 ist in keinem Land als Arzneimittel zugelassen. Die FDA fand 2024 keine Monographie im Europäischen, Chinesischen, Indischen oder Japanischen Arzneibuch.
  • USA: In ihrer Bewertung vom November 2024 schlug die FDA vor, AOD9604 nicht in die Liste der Substanzen aufzunehmen, aus denen Apotheken Arzneimittel herstellen dürfen. Gründe waren fehlende Wirksamkeitsbelege und mögliche Sicherheitsrisiken. Unter den sechs Peptiden, die das US-Gesundheitsministerium im Oktober 2026 für Apotheken geöffnet hat, ist AOD9604 nicht.
  • Australien: In seinem Herkunftsland haben die Behörden es den leistungs- und aussehenssteigernden Substanzen zugeordnet, die ohne Berechtigung, etwa ein Rezept, nicht besessen werden dürfen.
  • Sport: Die WADA erklärte 2013, dass AOD9604 von keiner Behörde zugelassen wurde und damit unter die verbotenen nicht zugelassenen Substanzen fällt. Die aktuelle Liste nennt es unter den Wachstumshormon-Fragmenten in der Kategorie S2. Es ist jederzeit verboten.

So erkennen Sie AOD9604 im Analysenzertifikat

Entscheidend ist die Massenspektrometrie (MS), nicht nur die HPLC-Reinheit. Die theoretische monoisotopische Masse von AOD9604 beträgt etwa 1813,9 Da. Das zweifach geladene Ion [M+2H]2+, in dieser Form erscheinen Peptide im Spektrum oft, liegt bei etwa m/z 908. Das native Fragment 176-191, das mit Phenylalanin beginnt, ist 16 Da leichter, sodass die Massenspektrometrie beide zuverlässig unterscheidet. Wie man ein Zertifikat liest, erklären wir im Artikel Analysezertifikat Peptid: So lesen Sie ein CoA richtig.

Was Arion Peptides anbietet

Im Sortiment ist AOD9604 5 mg als lyophilisiertes Pulver in einer Ampulle. Analysenzertifikate zu den Chargen von Arion Bios finden Sie auf der Seite Analysenzertifikate. Das Produkt ist ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke bestimmt. Eine Übersicht der Studien zum verwandten Peptid finden Sie im Artikel Fragment 176-191: Wirkmechanismus und Studienübersicht.

Häufig gestellte Fragen

Ist AOD9604 als Arzneimittel zugelassen?

Nein. Es ist in keinem Land zugelassen. Metabolic Pharmaceuticals beendete die Entwicklung als Mittel gegen Adipositas 2007.

Warum endete die Entwicklung von AOD9604?

Die entscheidende Studie OPTIONS mit 536 Teilnehmern zeigte weder nach 12 noch nach 24 Wochen einen statistisch signifikant größeren Gewichtsverlust als Placebo.

Wirkt AOD9604 wie Wachstumshormon?

In den Studien nicht. Es bindet nicht an den Wachstumshormon-Rezeptor, regt die Zellteilung über diesen Rezeptor nicht an und beeinflusste in klinischen Studien den IGF-1-Spiegel nicht. Bei Tieren wirkte es vor allem auf den Fettstoffwechsel.

Ist AOD9604 dasselbe wie Fragment 176-191?

Nicht ganz. AOD9604 beginnt mit Tyrosin, der natürliche Abschnitt 176–191 mit Phenylalanin. Ansonsten sind die Sequenzen gleich. Unter dem Namen Fragment 176-191 wird aber manchmal eine mit AOD9604 identische Sequenz verkauft.

Ist AOD9604 im Sport verboten?

Ja. Die Verbotsliste der WADA nennt es unter den Wachstumshormon-Fragmenten in der Kategorie S2. Das Verbot gilt jederzeit.

Fazit

AOD9604 ist ein modifizierter Endabschnitt des Wachstumshormons, der bei Tieren den Fettabbau beschleunigte und die Gewichtszunahme bremste, ohne die typischen Nebenwirkungen des vollständigen Hormons. Beim Menschen durchlief es sechs randomisierte Studien und wurde gut vertragen. Die entscheidende Studie zeigte jedoch keine Wirkung gegenüber Placebo, und die Entwicklung als Mittel gegen Adipositas endete 2007.

Heute bleibt AOD9604 eine Forschungssubstanz ohne Zulassung, mit wenig präklinischer Knorpelforschung und einem Verbot im Sport. Für die Forschung ist es wichtig zu prüfen, ob eine Probe wirklich dieses Molekül enthält. Die Antwort liefert ein Analysenzertifikat mit Massenspektrometrie.

Quellen

  1. Wu Z, Ng FM, „Antilipogenic action of synthetic C-terminal sequence 177-191 of human growth hormone“, Biochemistry and Molecular Biology International, 1993;30(1):187–196: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Heffernan M, Jiang WJ, Thorburn AW, Ng FM, „Effects of oral administration of a synthetic fragment of human growth hormone on lipid metabolism“, American Journal of Physiology – Endocrinology and Metabolism, 2000;279(3):E501–E507. DOI: 10.1152/ajpendo.2000.279.3.E501
  3. Ng FM, Sun J, Sharma L et al., „Metabolic studies of a synthetic lipolytic domain (AOD9604) of human growth hormone“, Hormone Research, 2000;53(6):274–278. DOI: 10.1159/000053183
  4. Heffernan MA, Thorburn AW, Fam B et al., „Increase of fat oxidation and weight loss in obese mice caused by chronic treatment with human growth hormone or a modified C-terminal fragment“, International Journal of Obesity, 2001;25(10):1442–1449. DOI: 10.1038/sj.ijo.0801740
  5. Heffernan M, Summers RJ, Thorburn A et al., „The effects of human GH and its lipolytic fragment (AOD9604) on lipid metabolism following chronic treatment in obese mice and β3-AR knock-out mice“, Endocrinology, 2001;142(12):5182–5189. DOI: 10.1210/endo.142.12.8522
  6. Wilding J, „AOD-9604 Metabolic“, Current Opinion in Investigational Drugs, 2004;5(4):436–440: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Metabolic Pharmaceuticals Limited, „Metabolic’s obesity drug – Phase 2B clinical trial results“, Mitteilung an die australische Börse ASX, 21. 2. 2007 (SEC-Archiv): sec.gov
  8. Stier H, Vos E, Kenley D, „Safety and Tolerability of the Hexadecapeptide AOD9604 in Humans“, Journal of Endocrinology and Metabolism, 2013;3(1-2):7–15. DOI: 10.4021/jem157w
  9. Cox HD, Smeal SJ, Hughes CM, Cox JE, Eichner D, „Detection and in vitro metabolism of AOD9604“, Drug Testing and Analysis, 2015;7(1):31–38. DOI: 10.1002/dta.1715
  10. Kwon DR, Park GY, „Effect of Intra-articular Injection of AOD9604 with or without Hyaluronic Acid in Rabbit Osteoarthritis Model“, Annals of Clinical and Laboratory Science, 2015;45(4):426–432: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  11. U.S. Food and Drug Administration, „FDA Evaluation of AOD-9604-Related Bulk Drug Substances“, Unterlagen für das Pharmacy Compounding Advisory Committee, 2024: fda.gov
  12. WADA, „WADA Statement on substance AOD-9604“, 24. 4. 2013 (Nachdruck des Internationalen Gewichtheberverbands): iwf.sport
  13. WADA, „The Prohibited List“, Kategorie S2: wada-ama.org
  14. PubChem, „AOD-9604, CID 71300630“: pubchem.ncbi.nlm.nih.gov