Hinweis: Weder AOD9604 noch Fragment 176-191 ist in irgendeinem Land als Arzneimittel für die Anwendung beim Menschen zugelassen. Dieser Text dient ausschließlich Informationszwecken und beruht auf veröffentlichten Quellen. Produkte von Arion Bios sind ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke bestimmt, sind weder Arzneimittel noch Nahrungsergänzungsmittel und nicht zur Anwendung bei Menschen oder Tieren bestimmt.

In Katalogen für Forschungspeptide stehen oft zwei Namen nebeneinander: AOD9604 und HGH Fragment 176-191. Beide leiten sich von den letzten Aminosäuren des menschlichen Wachstumshormons (hGH) ab, und beide tauchen in der Fettgewebsforschung auf. Sie unterscheiden sich jedoch in einer Aminosäure, in der Menge der verfügbaren Daten und darin, wie eindeutig definiert ist, was unter dem jeweiligen Namen verkauft wird.

Im Folgenden finden Sie einen Vergleich von Herkunft, Struktur, Forschungsdaten und regulatorischem Status beider Moleküle. Der letzte Teil erklärt, woran Sie im Analysenzertifikat erkennen, welches der beiden eine Probe enthält.

Woher die beiden Substanzen stammen

Das menschliche Wachstumshormon ist ein Protein aus 191 Aminosäuren. Es beeinflusst das Gewebewachstum, den Glukosespiegel, die Bildung von IGF-1 und den Fettstoffwechsel. In den 1990er-Jahren untersuchte die Arbeitsgruppe von Frank Ng an der Monash University in Melbourne, ob sich die Wirkung auf das Fettgewebe einem kleinen Teil des Moleküls zuordnen lässt.

1993 beschrieben Wu und Ng, dass ein synthetisches Peptid, das dem Abschnitt hGH 177–191 (15 Aminosäuren) entspricht, die Fettneubildung im Fettgewebe von Ratten ähnlich hemmte wie das vollständige Hormon. Ein Jahr später berichtete dieselbe Gruppe, dass die Langzeitgabe dieses Peptids an adipöse Mäuse die Gewichtszunahme und die Fettgewebsmasse verringerte.

Darauf folgte eine stabilisierte Version. An den Anfang der Kette 177–191 (den N-Terminus) wurde ein Tyrosin angefügt. So entstand ein Peptid aus 16 Aminosäuren, Tyr-hGH 177–191, bekannt als AOD9604. Laut den veröffentlichten Arbeiten stabilisiert das Tyrosin das Peptid. AOD9604 wurde anschließend von dem australischen Unternehmen Metabolic Pharmaceuticals weiterentwickelt.

Der Name „Fragment 176-191“ verweist dagegen auf das natürliche Ende von hGH, also die Aminosäuren 176 bis 191. Die natürliche Sequenz beginnt mit Phenylalanin, nicht mit Tyrosin. Darin liegt der Kern des gesamten Vergleichs.

Die Struktur im direkten Vergleich

Beide Moleküle bestehen aus 16 Aminosäuren. Sie teilen dieselben 15 Aminosäuren des Abschnitts 177–191, einschließlich der Disulfidbrücke zwischen zwei Cysteinen, die einen Teil der Kette zu einem Ring schließt. Sie unterscheiden sich nur in der ersten Aminosäure.

Parameter AOD9604 hGH 176–191 (native Sequenz)
Herkunft Synthetisches Analogon: Tyrosin + Abschnitt hGH 177–191 Natürlicher Endabschnitt von hGH, Aminosäuren 176–191
Sequenz YLRIVQCRSVEGSCGF FLRIVQCRSVEGSCGF
Länge 16 Aminosäuren 16 Aminosäuren
Erste Aminosäure (N-Terminus) Tyrosin (Tyr, Y) Phenylalanin (Phe, F)
Letzte Aminosäure (C-Terminus) Phenylalanin (Phe) Phenylalanin (Phe)
Disulfidbrücke Cys7–Cys14 (in hGH Cys182–Cys189) Cys7–Cys14 (in hGH Cys182–Cys189)
Summenformel C78H123N23O23S2 C78H123N23O22S2
Molekulargewicht 1815,1 g/mol ≈ 1799,1 g/mol (aus der Sequenz berechnet)
CAS 221231-10-3 (PubChem CID 71300630) Nicht eindeutig festgelegt
Veröffentlichte Studien am Menschen Sechs randomisierte Studien (2001–2006) Keine

Tyrosin unterscheidet sich von Phenylalanin durch eine einzige Hydroxylgruppe (–OH) am aromatischen Ring. In der Formel ist das ein zusätzliches Sauerstoffatom, beim Molekulargewicht etwa 16 g/mol. Chemisch ist das eine kleine Änderung, analytisch lässt sie sich aber zuverlässig unterscheiden. Die Angaben zu AOD9604 stammen aus PubChem und der FDA-Bewertung, die Werte für die Sequenz 176–191 sind aus der hGH-Sequenz in der Datenbank UniProt berechnet.

Wirkmechanismus laut Forschung

Die meisten mechanistischen Daten stammen aus Tierstudien und betreffen AOD9604 oder das Peptid 177–191. Ng et al. (2000) verabreichten AOD9604 adipösen Zucker-Ratten 19 Tage lang oral. Die Gewichtszunahme betrug etwa die Hälfte der Kontrollgruppe, und das Fettgewebe zeigte eine höhere lipolytische Aktivität, also einen schnelleren Abbau gespeicherter Fette. Anders als beim vollständigen hGH verschlechterte sich die Insulinsensitivität der Tiere nicht.

Heffernan et al. (2001) untersuchten adipöse Mäuse nach 14-tägiger Behandlung mit hGH oder AOD9604. Beide Substanzen senkten Körpergewicht und Fettmasse und erhöhten im Fettgewebe die Expression von Beta-3-Adrenozeptoren (β3-AR). Bei Mäusen ohne das β3-AR-Gen führte die Langzeitbehandlung weder zu Gewichtsverlust noch zu verstärkter Lipolyse. Die Autoren folgerten, dass die Wirkung nicht direkt über β3-AR vermittelt wird, die erhöhte Rezeptorexpression aber dazu beitragen kann. Die FDA fasst in ihrer Bewertung von 2024 zusammen, dass das konkrete molekulare Ziel von AOD9604 unbekannt bleibt.

Laut der Übersicht von Stier et al. (2013) und der FDA-Bewertung verdrängte AOD9604 in Zelltests hGH nicht von seinem Rezeptor und regte die Teilung von Zellen, die diesen Rezeptor tragen, nicht an. Das passt zu späteren klinischen Befunden, in denen AOD9604 den IGF-1-Spiegel nicht beeinflusste.

Zur nativen Sequenz 176–191, die mit Phenylalanin beginnt, haben wir keine eigenständigen veröffentlichten Studien gefunden. Die Daten, die im Zusammenhang mit dem „Fragment“ üblicherweise zitiert werden, beziehen sich auf das Peptid 177–191 oder auf AOD9604.

Klinische Entwicklung von AOD9604

Zwischen 2001 und 2006 wurden mit AOD9604 sechs randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien mit insgesamt 893 Teilnehmenden durchgeführt (Stier et al., 2013). Alle wurden von Metabolic Pharmaceuticals finanziert.

Eine zwölfwöchige Phase-II-Studie mit 300 adipösen Erwachsenen (Herd, Wittert et al., 2005) erschien nur als Kongress-Abstract. Die Autoren berichteten darin eine etwas stärkere Gewichtsabnahme als unter Placebo und eine nichtlineare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Die FDA merkte 2024 an, dass die vollständigen Ergebnisse dieser Studie nie veröffentlicht wurden.

Entscheidend war die Phase-IIb-Studie mit dem Namen OPTIONS. Sie umfasste 536 adipöse Erwachsene, dauerte 24 Wochen, und alle Teilnehmenden einschließlich der Placebogruppe absolvierten ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm. Am 21. Februar 2007 gab das Unternehmen bekannt, dass der Unterschied zu Placebo weder nach 12 noch nach 24 Wochen statistische Signifikanz erreichte. Die Entwicklung von AOD9604 zur Behandlung von Adipositas wurde eingestellt.

Die Sicherheitsauswertung aller sechs Studien (Stier et al., 2013) berichtet unerwünschte Ereignisse auf Placeboniveau, keine Veränderung des IGF-1-Spiegels und keine Antikörper gegen AOD9604. Die Autoren standen mit Metabolic Pharmaceuticals in Verbindung, wie sie in ihrer Interessenerklärung selbst angeben. Die FDA wies in ihrer Bewertung von 2024 auf den begrenzten Umfang veröffentlichter Daten und auf eine mögliche Immunogenität hin, also die Fähigkeit des Peptids, eine Immunantwort auszulösen.

In derselben Mitteilung von 2007 erklärte das Unternehmen, AOD9604 im Bereich Osteoporose weiter zu untersuchen. In der veröffentlichten Literatur findet sich zum Beispiel eine Studie an einem Kaninchenmodell der Arthrose, in der die Substanz in das Kniegelenk verabreicht wurde (Kwon und Park, 2015). Es handelt sich um präklinische Forschung.

Regulatorischer Status und Sport

Weder AOD9604 noch Fragment 176-191 ist als Arzneimittel zugelassen. Die WADA erklärte im April 2013, AOD9604 sei von keiner staatlichen Gesundheitsbehörde der Welt für die therapeutische Anwendung zugelassen worden. Die FDA stellte in ihrer Bewertung vom November 2024 fest, dass es in den USA kein zugelassenes Präparat mit AOD9604 gibt. Zugleich schlug sie vor, die Substanz (weder als freie Base noch als Acetat) nicht in die Liste der Stoffe aufzunehmen, aus denen US-Apotheken individuell Arzneimittel herstellen dürfen (die sogenannte 503A Bulks List). Als Gründe nannte sie fehlende Wirksamkeitsbelege und mögliche Sicherheitsrisiken einschließlich Immunogenität.

Im Sport sind beide Substanzen verboten. Die WADA ordnete AOD-9604 2013 der Kategorie S0 zu, also den nicht zugelassenen Substanzen. Die aktuelle Verbotsliste der WADA, gültig ab 1. Januar 2026, führt in Kategorie S2.2.3 Wachstumshormon-Fragmente auf und nennt als Beispiele ausdrücklich „AOD-9604 und hGH 176-191“. Substanzen der Kategorie S2 sind jederzeit verboten, im Wettkampf und außerhalb.

Zeitleiste

Jahr Ereignis
1993 Wu und Ng: Das Peptid hGH 177–191 hemmt die Fettneubildung im Fettgewebe von Ratten
2001–2006 Sechs klinische Studien mit AOD9604, insgesamt 893 Teilnehmende
2007 OPTIONS-Studie ohne signifikanten Unterschied zu Placebo, Entwicklung für Adipositas eingestellt
2013 WADA: AOD-9604 fällt unter die verbotenen, nicht zugelassenen Substanzen (S0)
2024 FDA schlägt vor, AOD9604 nicht in die 503A-Liste aufzunehmen
2026 WADA-Liste nennt AOD-9604 und hGH 176-191 in Kategorie S2.2.3

Warum die Namen verwechselt werden und wie Sie erkennen, was eine Probe enthält

Die Verwechslung hat mehrere Ursachen. In der Fachliteratur wird AOD9604 als „lipolytisches Fragment von hGH“ bezeichnet, obwohl es sich um eine veränderte Sequenz handelt. Auf dem Markt werden unter dem Namen „HGH Fragment 176-191“ dann verschiedene Moleküle verkauft. Manchmal ist es die native Sequenz mit Phenylalanin am Anfang, häufig aber die Tyrosin-Variante, die in ihrer Sequenz mit AOD9604 identisch ist. Auch bei den Kennungen herrscht Unklarheit: Die FDA wies 2024 darauf hin, dass manche Anbieter für AOD9604 eine andere CAS-Nummer angeben (386264-39-7) und dass die auf ihren Websites gezeigte Struktur nicht immer zur Sequenz passt.

Der Name auf dem Etikett reicht deshalb nicht aus. Entscheidend ist das Analysenzertifikat (CoA) mit zwei unterschiedlichen Arten von Angaben:

  • HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatographie) zeigt die Reinheit, also welchen Anteil der Probe die Hauptkomponente ausmacht. Sie sagt aber nicht, um welches Molekül es sich handelt.
  • MS (Massenspektrometrie) misst die Masse des Moleküls. Diese lässt sich mit dem theoretischen Wert für eine bestimmte Sequenz vergleichen.

Bei diesen beiden Substanzen ist der Vergleich einfach. Die theoretische monoisotopische Masse von AOD9604 liegt bei etwa 1813,9 Da, die der nativen Sequenz 176–191 bei etwa 1797,9 Da. Einen Unterschied von 16 Da löst die Massenspektrometrie zuverlässig auf. Peptide erscheinen im Spektrum oft als mehrfach geladene Ionen. Das zweifach protonierte Ion [M+2H]2+ liegt bei AOD9604 um m/z 908, bei der Sequenz 176–191 um m/z 900. Entspricht die gemessene Masse AOD9604, enthält die Probe die Tyrosin-Variante, unabhängig vom Namen auf dem Etikett.

Analysenzertifikate (HPLC) zu den Chargen von Arion Bios finden Sie auf der Seite Analysenzertifikate. Einer bestimmten Packung ordnen Sie das Zertifikat anhand des auf der Verpackung aufgedruckten Herstellungsdatums zu.

Was Arion Peptides anbietet

Beide Substanzen sind als lyophilisiertes Pulver in Ampullen erhältlich: AOD9604 5 mg und Fragment 176-191. Sie sind ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke bestimmt. Eine ausführlichere Übersicht der mit dem Fragment verbundenen Studien finden Sie im Artikel Fragment 176-191: Wirkmechanismus und Studienübersicht.

Häufig gestellte Fragen

Ist AOD9604 dasselbe wie Fragment 176-191?

Nicht ganz. AOD9604 ist der Abschnitt hGH 177–191 mit einem zusätzlichen Tyrosin am Anfang. Der native Abschnitt 176–191 beginnt mit Phenylalanin. Beide Moleküle haben 16 Aminosäuren und unterscheiden sich nur in der ersten. Manche als Fragment 176-191 verkaufte Produkte enthalten jedoch eine mit AOD9604 identische Sequenz.

Warum betreffen die klinischen Studien nur AOD9604?

Das klinische Programm führte Metabolic Pharmaceuticals durch und testete darin das eigene stabilisierte Molekül AOD9604. Eigenständige Studien mit Fragment 176-191 am Menschen wurden nicht veröffentlicht. Die Ergebnisse der AOD9604-Studien lassen sich daher nicht automatisch auf eine andere Sequenz übertragen.

Sind beide Substanzen im Sport verboten?

Ja. Die WADA-Verbotsliste 2026 nennt AOD-9604 und hGH 176-191 unter den Wachstumshormon-Fragmenten in Kategorie S2. Das Verbot gilt jederzeit.

Wie erkenne ich, welches Molekül eine Probe enthält?

Anhand der Massenspektrometrie im Analysenzertifikat. Eine gemessene Masse um 1815 g/mol entspricht der Sequenz von AOD9604, ein Wert um 1799 g/mol der nativen Sequenz 176–191. Die HPLC-Reinheit allein bestätigt die Identität nicht.

Ist eine der beiden Substanzen als Arzneimittel zugelassen?

Nein. Keine von beiden ist als Arzneimittel zugelassen. Die Entwicklung von AOD9604 zur Behandlung von Adipositas wurde 2007 eingestellt.

Quellen

  1. Wu Z, Ng FM, „Antilipogenic action of synthetic C-terminal sequence 177-191 of human growth hormone“, Biochemistry and Molecular Biology International, 1993;30(1):187–196: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Natera SH, Jiang WJ, Ng FM, „Reduction of cumulative body weight gain and adipose tissue mass in obese mice: response to chronic treatment with synthetic hGH 177-191 peptide“, Biochemistry and Molecular Biology International, 1994;33(5):1011–1021: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Ng FM, Sun J, Sharma L, Libinaka R, Jiang WJ, Gianello R, „Metabolic studies of a synthetic lipolytic domain (AOD9604) of human growth hormone“, Hormone Research, 2000;53(6):274–278. DOI: 10.1159/000053183
  4. Heffernan M, Summers RJ, Thorburn A, Ogru E, Gianello R, Jiang WJ, Ng FM, „The effects of human GH and its lipolytic fragment (AOD9604) on lipid metabolism following chronic treatment in obese mice and β3-AR knock-out mice“, Endocrinology, 2001;142(12):5182–5189. DOI: 10.1210/endo.142.12.8522
  5. Stier H, Vos E, Kenley D, „Safety and Tolerability of the Hexadecapeptide AOD9604 in Humans“, Journal of Endocrinology and Metabolism, 2013;3(1-2):7–15. DOI: 10.4021/jem157w
  6. Metabolic Pharmaceuticals Limited, „Metabolic’s obesity drug – Phase 2B clinical trial results“, Mitteilung an die australische Börse ASX, 21. 2. 2007 (SEC-Archiv): sec.gov
  7. Kwon DR, Park GY, „Effect of Intra-articular Injection of AOD9604 with or without Hyaluronic Acid in Rabbit Osteoarthritis Model“, Annals of Clinical and Laboratory Science, 2015;45(4):426–432: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  8. U.S. Food and Drug Administration, „FDA Evaluation of AOD-9604-Related Bulk Drug Substances“, Unterlagen für das Pharmacy Compounding Advisory Committee, 2024 (enthält auch eine Zusammenfassung des Abstracts Herd, Wittert et al., 2005): fda.gov
  9. WADA, „WADA Statement on substance AOD-9604“, 24. 4. 2013 (Nachdruck des Internationalen Gewichtheberverbands): iwf.sport
  10. WADA, „The 2026 Prohibited List“, Kategorie S2.2.3, gültig ab 1. 1. 2026: wada-ama.org
  11. UniProt, „P01241 – Somatotropin (GH1), Homo sapiens“, Sequenz des menschlichen Wachstumshormons: uniprot.org
  12. PubChem, „AOD-9604, CID 71300630“, Summenformel und Molekulargewicht: pubchem.ncbi.nlm.nih.gov